«Die Schulen reagierten schnell»
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«Die Schulen reagierten schnell»

Die Corona-Krise forderte die Schulen enorm: Unterricht zu Hause für die Schüler, Home-Office für die Lehrer. Janick Pfenninger von Escola ist sicher: Diese Krise wird die Schulen nachhaltig verändern.

E-Learning war an den Schulen während der Corona-Krise ein grosses Thema. Sie entwickeln ihre Schul-Software Escola seit 10 Jahren. Hat das vor Corona überhaupt jemanden interessiert?

Janick Pfenninger: Absolut. Man muss aber sehen, dass die Schulen in der Schweiz sehr unterschiedliche Reifegrade haben in Sachen Digitalisierung. Unsere Software bietet verschiedene Bausteine. Einer davon ist der Schulmanager, mit dem die Administration digitalisiert wird. Das verstehen alle. Wir bieten aber auch das Tool Lernwelt an, das individualisiertes Lernen unterstützt. Das heisst: Jedes Kind arbeitet in seinem eigenen Tempo an den eigenen Aufgaben. Dieser Ansatz eignet sich für Schulen, die schon recht weit sind mit der Digitalisierung. 

Janick Pfenninger

Jannick Pfennigen von Escola

Inhaber und Entwickler bei Escola. Seit über 10 Jahren entwickelt Escola mit viel Herzblut webbasierte Software, die perfekt an die Bedürfnisse des Schweizer Schulalltags angepasst ist.

Das ist aber eine starke Minderheit?

Stimmt, das sind Pionierschulen, die sich bereits sehr früh mit der sinnvollen Digitalisierung auseinandersetzten. Viele Schulen sind noch längst nicht soweit. Die hatten es zu Beginn der Corona-Krise schwer.

Immerhin gab es viele Lehrpersonen und Schulverwaltungen, die schnell handelten während der Krise.

Stimmt, das war toll. Aber letztlich müssen die Schulen ihre Prozesse und ihr ganzes Denken verändern. Einzelne Aktivitäten helfen, führen aber nicht zu einem nachhaltigen Richtungswechsel und sind vor allem zu wenig effizient.

Was heisst das genau? Was braucht es, damit sich Schulen stärker digitalisieren?

Es braucht digitale Strukturen. Kinder und Eltern sollten zum Beispiel jederzeit Zugriff auf das Unterrichtsmaterial, Hausaufgaben oder Absenzen haben. Die Lehrpersonen wickeln die ganze Administration in derselben Software ab: Dossiereinträge, Zeugnisse, Lernkontrollen, Kommunikation, Ressourcenverwaltung usw.

Hat sich während der Corona-Krise das Bewusstsein an den Schulen verändert?

Ja, die Digitalisierung wird von den Schulen heute klar positiver beurteilt als noch vor wenigen Monaten. Das merkten wir vor allem anhand der Anfragen, die uns erreichten. Oft ging es nicht mehr nur um die Administration, sondern auch darum, den Unterricht neu zu organisieren.

Diesen Schritt haben alle Schulen problemlos bewältigt?

Schulen, die bereits in einem gewissen Mass digitalisiert waren, kamen mit der Krise deutlich besser zurecht als solche, die sich bisher dem Trend verweigerten.

Escola – Webbasierte Software für den Schweizer Schulalltag

Mit Escola können Sie Absenzen und Noten erfassen, Förderpläne schreiben, den individualisierten Unterricht organisieren und moderne Schul-Webseiten erstellen.

www.escola.com

Ist es auch eine Altersfrage der Verantwortlichen?

Nein, überhaupt nicht! Wir hatten oft Kontakt mit über 60jährigen, die sich begeistert mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzten. Es ging darum, schnell Lösungen zu finden. Die Offenheit war überwältigend.

Ohne kritische Stimmen? Kaum zu glauben.

Wir boten in einer Krisensituation schnell und unkompliziert eine gute Lösung. Darauf reagierten sehr viele Lehrpersonen mit Dankbarkeit. Die kritische Auseinandersetzung mit der Digitalisierung an den Schulen und wie diese zu erfolgen hat, folgt sicher noch. Das ist auch richtig so. In der Krise galt es, gemeinsam einen gangbaren Weg aus einer sehr schwierigen Situation zu finden.

Sie betonen die Vorteile. Warum gibt es nicht mehr Schulen, die verstärkt auf die Digitalisierung setzen?

Das hängt sehr stark von den Schulgemeinden und auch von den Kantonen ab und oft weniger von den Schulen selbst. So gibt es in gewissen Kantonen keinen freien Wettbewerb für Schul-Software, sondern eine vorgegebene Lösung.

Was sinnvoll ist, darüber streiten sich die Pädagogik-Experten. So wurden in der Corona-Krise gerade schwächere Schüler stärker abgehängt.

Hier gilt es zu unterscheiden. Reden wir von der technischen ICT oder von der pädagogischen ICT? Voraussetzung ist eine gute technische ICT: Die Einbindung aller Beteiligten, also auch von Eltern und Kindern, die Anbindung an alle Geräte, die Erreichbarkeit via Internet, das Zusammenspiel der Daten, eine moderne Usability. Die pädagogische ICT regelt, wie die Kinder und Jugendlichen mit Hilfe der Digitalisierung unterrichtet werden. Hier gilt es, Regeln und pädagogische Konzepte zu entwickeln, damit kein Kind auf der Strecke bleibt. Das kam während der Corona-Krise sicherlich stellenweise zu kurz.

Nicht nur die Schülerinnen und Schüler tun sich noch schwer mit der Digitalisierung des Unterrichts. Auch aus der Lehrerschaft kommt Widerstand. Wie nimmt man diese Menschen mit auf die Reise?

Die Ansprechperson für die Lehrpersonen an der Schule muss das verwendete Produkt sehr gut kennen. Ebenso wichtig ist die Ausbildung an der Software. Unsere Erfahrung ist: Je besser die Anwenderinnen und Anwender die Software kennen, desto höher ist die Akzeptanz. Meistens fällt der Groschen, wenn die Lehrpersonen realisieren, wie viel Arbeit die Digitalisierung ihnen abnimmt.

Haben Sie ein Beispiel?

Nehmen wir die Heilpädagogik. Da sind zum Teil mehrere Leute über die Jahre mit demselben Fall beschäftigt. Die Dossiers sind verteilt, nicht einheitlich geführt und nicht zentral abgelegt. Escola ermöglicht mit dem Tool Förderplanung eine zentrale und standardisierte Fallbegleitung. Das vereinfacht die Transparenz und die Kommunikation.

Wie soll eine Schule umstellen? Schritt für Schritt oder eher in einem grossen Projekt?

Wir empfehlen, die Schule in eher kleinen Schritten zu digitalisieren. Wir müssen die Schulverantwortlichen oft bremsen, wenn diese in ihrer Begeisterung gleich alles aufs Mal einführen wollen. So besteht aber die Gefahr, dass die kritischen Stimmen überfahren werden und viele Anwender überfordert sind von der Masse an Informationen. Langsamer ist auf jeden Fall besser.

Schulen ans Internet

Im Rahmen unseres Programms «Schulen ans Internet» bietet Swisscom allen Schulen in der Schweiz einen kostenlosen Internet-Anschluss und zahlreiche Services. Mit Medienkursen und Unterrichtsmaterialien wird der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien vermittelt. Escola ist Teil von diesem Programm.

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