Kind im Dunkeln mit Bildschirm
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Machen digitale Medien unsere Jugend krank?

Wenn Jugendliche digitale Medien nutzen, so tun sie dies nicht selten in den unmöglichsten Körperstellungen. Das wirkt sich auf ihre Gesundheit aus, keine Frage. Der letzte JAMESfocus Bericht zeigt aber, dass seelische Einflüsse bei Jugendlichen öfter vorkommen, als ein verspannter Rücken.  

Jeder fünfte Jugendliche in der Schweiz klagt über Rücken- oder Nackenschmerzen. Etwa 15 % erwähnen Kopfschmerzen, auch Augen- oder Bauchschmerzen kommen vor. Befragt nach der seelischen Befindlichkeit der jungen Schweiz, gaben die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen an, dass sie sich regelmässig müde fühlen. Diese Antwort wurde mit grossem Abstand am häufigsten genannt. Konzentrationsmängel, schlechte Laune oder Nervosität plagen noch jede und jeden fünften Jugendlichen.  

Die häufigsten körperlichen und psychischen Beschwerden von Jugendlichen
(Quelle: JAMESfocus Medien und Gesundheit)

Was ist schuld? 

Diese Zahlen für sich genommen, zeichnen ein schlimmes Bild und wir müssen mit dem Untergang des Abendlandes rechnen. Aber seien wir ehrlich: Dass Jugendliche mitunter schlechte Laune haben: es wäre bedenklich, wenn dem nicht so wäre. Der Mangel an Konzentration ist ebenfalls etwas, das wir bis ins Erwachsenenalter kennen. Und auch die körperlichen Befindlichkeiten passen durchaus in das Lebensalter des Erwachsenwerdens. Kann man sich also zurücklehnen? Nein, warten Sie noch… 

Michael In Albon

Medienkompetenzexperte Michael In Albon

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse, bei denen jährlich über 25’000 Personen teilnehmen. Für Swisscom Magazin schreibt er regelmässig zu aktuellen Medienkompetenzthemen.

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Woher kommen denn diese Symptome? Was mit der Adoleszenz zu erklären ist, müssen wir wohl hinnehmen – das Leben tut halt manchmal weh. Könnte es aber sein, dass mit dem Durchbruch der digitalen Medien Kinder öfter krank sind? Sie verbringen wöchentlich viele Stunden an ihren Bildschirmen, im Schnitt über zwei Stunden täglich. Beim Gamen fläzen sie in unmöglichen Haltungen auf dem Sofa. Sie starren abends zuweilen zu lange auf ihr Handy und verhindern so einen gesunden Schlaf. Bewegen sich die Jugendlichen regelmässig in den sozialen Medien, sind sie dort nicht nur von eitel Liebe umgeben, manchmal stresst sie, was sie dort lesen, sie werden angemacht, beleidigt, ausgegrenzt. Und dies wirkt sich rasch auf ihre Gesundheit aus. 

Kleine Effekte sind auch Effekte 

Um die Gesundheit der Jugendlichen steht es durch die digitalen Medien also nicht besser. Auch wenn längst nicht alle Symptome auf die Mediennutzung zurückzuführen sind, kann es immer wieder vorkommen, dass sie dadurch verstärkt werden. Kinder, die sich eh nicht bewegen wollen, finden mit den Medien einen weiteren Grund, lethargisch rumzuhängen. Die vorliegende Studie zeigt aber eben nur einen kleinen kausalen Zusammenhang zwischen Gesundheitsgefühl und Mediennutzung – hier reicht das gewählte Studien-Setting nicht aus. Und auch die positiven Aspekte digitaler Medien bleiben unbeleuchtet. So können wir uns auch Jugendliche vorstellen, die durch erfolgreiches Gamen oder Bloggen ein Selbstbewusstsein erst aufbauen konnten. Oder Kinder, die durch digitale Medien wieder Lust am Sport bekommen. 

Insgesamt sei uns Eltern trotzdem geraten, dass wir aufmerksam hinschauen, unsere Kinder zu richtigem Sitzen gemahnen, Ihnen den Ausgleich zwischen online und offline empfehlen und peinlich darauf achten, ob sie etwas in sich hineinfressen, das eigentlich raus sollte. Dabei verfangen die digitalen Medien als Sündenbock nur bedingt, auch wenn sie die Effekte verstärken können.  

JAMES-Studienreihe

2018 hatte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Swisscom zuletzt über 1’000 Jugendliche zu ihrem Mediennutzungs-Verhalten befragt. Im Folgejahr gingen wir auf einzelne Aspekte aus der Datensammlung genauer ein. Am Schluss dieser JAMESfocus-Reihe steht nun die Frage nach der Gesundheit.

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