Mann mit Anzugschuh an einem Fuss und Birkenstock-Sandale am anderen Fuss
3 min

Rollen-Ratatouille

Michael In Albon über die derzeitige Vermischung unserer diversen sozialen Rollen. Wenn Berufs-Ich plötzlich auf Mama-Ich trifft.

Jeder und jede unter uns füllt verschiedene soziale Rollen aus. Und je nach Umstand schlüpfen wir in die eine oder andere. So richtig spannend wird es, wenn wir diese Rollen durcheinander bringen, und genau das passiert aktuell in vielen Schweizer Haushalten. 

Die knallharte Verhandlerin in rosa Finken 

Wenn Väter oder Mütter arbeiten, tun sie das gewöhnlich an ihrem Arbeitsplatz. Das Kochen am Mittag übernimmt je nach Familiensituation der eine oder die andere, aber selten beide zusammen. Die Kinder quatschen mit ihren Freunden auf dem Pausenhof, nicht via Smartphone-Video-Call vom Sofa aus. Wenn wir – die diese Rollen nicht kennen – sehen, wie sie in den eigenen vier Wänden gelebt werden, führt das zu offenen Mündern und fragenden Blicken. «Was? So sprichst du mit deinen Freunden? So gehst du mit deinen Vorgesetzten um?»

Michael In Albon

Medienkompetenzexperte Michael In Albon

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse, bei denen jährlich über 25’000 Personen teilnehmen. Für Swisscom Magazin schreibt er regelmässig zu aktuellen Medienkompetenzthemen.

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Stellen wir uns eine Mutter vor, die zudem in der Verwaltung arbeitet. Dort ist sie eher die harte Verhandlerin. Eine Seite, die ihre Kinder an ihr vielleicht gar nicht kannten. Bis zur Quarantäne, wo sie dieselben Gespräche plötzlich von zuhause aus führt. Oder denken wir an unseren Teenager, der in coolster Jugendsprache die Dinge abcheckt – am Telefon, vom Sofa aus. Und das Gesicht des Vaters daneben zeigt blankes Entsetzen über Wortwahl und Urteil. 

Das andere Ich

Die Grenzen und Anwendungsfelder sozialer Rollen sind im Grunde sehr starr und wer sich nicht daran hält, riskiert manchmal böse, aber sicher verstörte Blicke und Reaktionen. Machen Sie den Selbsttest und sprechen Sie am Mittagstisch mit ihrer Familie, wie wenn Sie mit Bürokollegen sprächen. Oder ziehen Sie sich für eine Videoconferencing-Sitzung so an, als ob sie gleich Gartenarbeit machen würden.  

Das hat nichts mit Doppelzüngigkeit zu tun oder dem Verbergen eines anderen Ichs. Das sind normale Andersheiten, die wir anhand unserer sozialer Milieus gelernt und angenommen haben. Wer uns aber in bestimmten Rollen nicht kennt, ist zunächst verwirrt – denn es fehlt ja der eigentliche Bezugsrahmen zu dieser Rolle. Der Bub spricht mit seinen Fussballkollegen „fussballkollegisch“, ohne auf dem Sportplatz zu sein. Oder der Vater braucht die üblichen Anglizismen aus dem Office – pardon: Büro – während er in der Küche stehend ein Butterbrot isst. 

Störe meine Kreise nicht! 

Das verlangt von allen um uns ein klein wenig Verständnis und das Bewusstsein, dass es allen so ergeht. Es ist wenig hilfreich, vom Gegenüber zu erwarten, diese Verhaltensmuster abzulegen oder anzupassen. Denn nur, weil sie zuhause unüblich sind, heisst das nicht, dass sie in ihrem angestammten Rahmen notwendig oder ok sind. In der aktuellen Situation fallen viele dieser Rollen auf engstem Raum aufeinander. Und auch, wenn wir Familienmitglieder zunächst konsterniert sind, ist es am Ende einfach eine spannende Einsicht in eine Welt, die man im Normalfall gar nie hat. 

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