Gartenzwerg hält Schild in den Händen mit der Aufschrift: "Go away"
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Das hilft gegen Hass im Netz

Hass im Netz hat viele Gesichter. Man muss sich ihm aber nicht wehrlos aussetzen – es gibt hilfreiche Strategien, die im Fall von Hate Speech oder Cybermobbing angewendet werden können.

Die wohl extremste und polarisierendste Version von Hass im Netz ist Hate Speech. Zu diesem Begriff gibt es bis dato noch keine allgemeingültige Definition. Im Sprachgebrauch ist von Hate Speech die Rede, wenn sich rassistische, antisemitische oder sexistische Kommentare gezielt gegen bestimmte Menschen oder Gruppen richten. Von dieser extremen Form sind oft Personen des öffentlichen Lebens betroffen, wie zum Beispiel im Fall von Benjamin Zürcher von der Jungen EVP Thurgau.

Hass im Netz beginnt jedoch im Kleinen. Jeder vierte Jugendliche ist im Internet schon einmal beleidigt oder fertig gemacht worden. 16 Prozent haben selbst schon Beleidigungen verschickt. Problematisch wird es, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum hinweg von mehreren Täter/innen via Internet oder Handy absichtlich beleidigt, bedroht, oder sogar belästigt wird. In diesem Fall handelt es sich um Cybermobbing.

Zwei Strategien gegen Hass im Netz

Egal in welcher Form: Auf Hass im Internet kann man reagieren. Grundsätzlich verwenden geschulte Social-Media-Moderatoren zwei Strategien, um die Gespräche in Kommentarspalten weg von Hassrede hin zu einem konstruktiven Dialog zu führen: Empowerment (Ermächtigung) und Dis-Empowerment (Entmachtung).

Aktion #WirGegenHass

Hass ist keine Meinung und hat innerhalb öffentlicher Kommentarspalten nichts verloren. Gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein #NetzCourage möchten wir zeigen, dass die Mehrheit der Menschen sich wünscht, dass das Internet zu einem Ort des respektvollen Miteinanders wird. 

Don’t feed the troll

Beim Dis-Empowerment geht es darum, Verfassern von Hate Speech oder Beleidigungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, getreu dem Motto «don’t feed the troll». Ignorieren der Kommentare kann funktionieren, wenn es sich um einige wenige unter vielen positiven Kommentaren handelt. Bei mehrfachen Beleidigungen können einzelne Kommentare gelöscht oder Nutzer blockiert werden. Effektiver ist es jedoch – besonders, wenn es sich um Beleidigungen im privaten Umfeld handelt – Nutzer einfach stumm zu schalten. Handelt es sich um persönliche oder beleidigende Fotos, diese soweit möglich sofort löschen oder auf der Plattform löschen lassen.  Je nach Thema, lohnt es sich jedoch gezielt in eine Gegenargumentation einzusteigen. Dabei empfiehlt es sich, auf der Sachebene zu bleiben, um einen konstruktiven Dialog zu fördern. In Extremfällen kann natürlich auch zur strafrechtlichen Verfolgung und somit zur Anzeige der Täter gegriffen werden.

Unterstützung suchen

Folgt man einer Empowerment-Strategie, so kann ein erster Schritt sein, sich mit anderen zu verbünden und so gemeinsam dagegen zu argumentieren. Ist man selbst das Opfer, in jedem Fall sofort eine Vertrauensperson mit einbeziehen – egal, ob Freunde, Eltern oder Lehrer. Ist man selbst nicht Teil einer der beiden Parteien, kann man versuchen einen vermittelnden Dialog zu etablieren. Dies kann besonders in einem frühen Stadium von Cybermobbing im Klassenverband zur Entschärfung der Situation beitragen. In einem Stadium, wo die Argumente die Sachebene verlassen, kann es hilfreich sein, mit ernst gemeinten Fragen nach den Hintergründen der Emotionen zu forschen. Eventuell kann die Diskussion so wieder auf die Sachebene geleitet werden.

Wo Betroffene Hilfe finden

Als Betroffener sollte man sich zuallererst Vertrauenspersonen suchen, die einen unterstützen – das können Familie, Freunde oder Lehrpersonen sein. Dabei geht es nicht in erster Linie um eine Unterstützung online, sondern darum eine Person zu finden, die einem im Alltag den Rücken stärkt. Bei Cybermobbing im Klassenverband ist so schnell wie möglich ein Erwachsener mit einzubeziehen. Opfer von Hate Speech können sich direkt mit #NetzCourage in Verbindung setzen und erhalten dort Beratung: https://www.netzcourage.ch/

Der Verein stellt sich aktiv gegen Hassrede, Diskriminierung und Rassismus im Internet und unterstützt Betroffene.

Hilfe bei Cybermobbing

Jugend und Medien ist die nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen. Sie verfolgt im Auftrag des Bundesrats das Ziel, dass Kinder und Jugendliche sicher und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen. Ihre Website bietet erstes Informationsmaterial und fasst Anlaufstellen für Betroffene zusammen.

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