Sprechblasen mit Emojis, die Hasskommentare veranschaulichen
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#WirGegenHass

Michael In Albon, Jugendmedienschutzbeauftragter der Swisscom, lanciert mit dem Hashtag #WirGegenHass eine Aktion gegen Hasskommentare in sozialen Medien. Swisscom Magazin hat mit ihm über die Aktion und ihre Hintergründe gesprochen.

Michael, warum liegt dir das Thema Hate Speech, also Hass im Netz, so am Herzen?

Es ist eines der verheerendsten Probleme, die uns das sonst so wertvolle Internet gebracht hat. Zum einen glauben einzelne wenige Internauten, dass sie sich im Internet im rechtsfreien Raum und anonym bewegen. Das ist aber nicht so. Sowohl Anstandsregeln als auch das Gesetz gelten im Netz genauso wie in der Beiz am Stammtisch oder sonst wo.

Zum anderen verleitet die Möglichkeit, seine Meinung allen Menschen kundzutun dazu, dies auch dann zu machen, wenn sie eigentlich nicht kommuniziert werden sollte. Das führt dazu, dass sich in offenen Plattformen wie auf Social-Media-Kanälen oder Kommentarspalten sehr viele unsachliche, falsche und eben verletzende, unfaire, gemeine oder beleidigende Aussagen finden.

Was ist #WirGegenHass für eine Aktion und worum geht es?
Hass im Netz war immer schon da, aber in den letzten Jahren wird er immer präsenter, immer tolerierter. Wenn wir die JAMES-Studien der letzten Jahre anschauen, war der Anteil der Jugendlichen, die im Netz auf Hassreden gestossen sind, immer steigend, wenn auch gemächlich. Laut JAMES-Studie 2018 hat bereits jeder 4. Jugendliche schon Hass im Netz selber erfahren. Die Berichterstattung zum Thema Hate Speech ist jedoch häufig fokussiert auf Personen des öffentlichen Lebens. Mit der Aktion #WirGegenHass, möchte ich auf diese Situation aufmerksam machen. Drei Tage lang habe ich mit einem kleinen Team auf jeden Hasskommentar, den wir im Netz finden konnten,  reagiert. Doch alleine komme ich da nicht weit. In den nächsten Wochen wird eine Aufklärungskampagne zum Thema Hate Speech von uns lanciert. Gemeinsam mit unserem Partner #NetzCourage möchten wir auf das Thema aufmerksam machen und zeigen, dass die Mehrheit der Menschen sich das Internet als respektvollen Ort des Austausches wünscht und dafür auch aktiv eintritt.

Ein Wort von #NetzCourage

„Mit dem Siegeszug der sozialen Medien haben leider auch Hate Speech, Rassismus und Diskriminierung im Netz Hochkonjunktur. #NetzCourage ist ein Verein, welcher sich aktiv gegen diese Schattenseiten der Digitalisierung stellt und sich mit Lösungsansätzen an der Debatte beteiligt. Wir als gemeinnütziger Verein können Counterspeech organisieren und versuchen, Debatten auszugleichen und treten so dem Hass entgegen. Dass nun aber die Swisscom als Grosskonzern den Stich ins Wespennetz wagt, finden wir fantastisch und ungeheuerlich wichtig. Michael In Albon als Jugendmedienschutzbeauftragter der Swisscom nimmt Stellung, zeigt Haltung. Das ist sehr wichtig. Denn wer schweigt, stimmt zu.“

Wie kann man unterstützen?
Wir müssen uns bewusst sein: Die Gruppe der Hate-Speaker ist ziemlich klein, in der Mehrzahl sind die Menschen, die sich über diese unangebrachten und falschen Angriffe aufregen. Wer sich wehrt, ist also in der Übermacht.

Jeder, der uns bei der Aktion #WirGegenHass unterstützen möchte, tut dies am besten zunächst in seinem Einflussbereich. Ich lade alle ein: Wehrt Euch gegen Hasskommentare, tretet für Opfer von Hasskommentaren ein. Man kann Verschiedenes tun: Macht die Hater darauf aufmerksam, dass sie sich mässigen sollen, oder dass sie vor dem Posten ihre Fakten checken sollen. Führt die Diskussion zurück auf eine sachliche Ebene, ohne selbst auf die Person zu zielen. Wenn ihr denkt, dass Hate Speech den Straftatbestand der Beleidigung oder Verleumdung erfüllt, oder gegen die Antirassismus-Strafnorm verstösst: Meldet die Person beim Plattform-Betreiber (zum Beispiel: „Diesen Beitrag melden“).  Aber auch das Blockieren oder Sperren eines uneinsichtigen Users hilft. So verliert er immer mehr an Reichweite. Das wichtigste ist, diejenigen, die angegriffen werden, nicht allein zu lassen und ihnen zu zeigen, dass es Menschen gibt, die ihnen zur Seite stehen.

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6 Kommentare zu “#WirGegenHass

  1. Das ist eher ein #WirfürZensur, #EinschränktungGeil, #ScheissaufMeinungsfreiheit, #SchweigAusserDeineMeinungVertrittdassHerdendenken

    1. Wenn man ein klares Zeichen gegen Hass, Diskriminierung, Rassismus und Verleumdung setzt, hat das mit den von ihnen erfundenen Tags nichts zu tun. Hass, Diskriminierung, Rassismus und Verleumdung sind keine Meinungen, sondern Verbrechen und stehen in der Schweiz zum Glück unter Strafe.

    2. In keiner zivilisierten Kultur fällt Rassismus oder Hassreden unter Meinungsfreiheit. Lustigerweise brüllen genau jene am lautesten „Zensur“, welche die demokratisch garantierte Redefreiheit bis an Limit strapazieren.

  2. Ich bin dafür Kritik zu äußern. Auch muss man nicht immer einer Meinung sein. Jedoch sollte ein Diskurs immer auf Augenhöhe, mit Respekt und Argumenten vonstatten gehen. In meinem Beruf habe ich mit vielen Kritikern zu tun, die teils völlig die Contenance verlieren und Meinungen zu Wahrheiten erheben, die persönlich angreifen und nicht bereit sind, andere Seiten überhaupt zu überdenken. Daher begrüsse ich diese Initiative. Aus Hass ist noch nie etwas Gutes entstanden. „Nur“ gegen HassSpeech vorzugehen ist eines, dies bekämpft aber nicht den Grund. Die Intension des Hasses liegt nach meinem Dafürhalten in Existenzangst, Angst vor Neuem und Mühe sich selbst zu reflektieren, was kann ich selbst an meiner Situation ändern. Es ist einfach, anderen die Schuld zu geben. Das ist seit Menschengedenken so und es ist daraus nie Gutes entstanden.

  3. Zitat: „..seine Meinung allen Menschen kundzutun dazu, dies auch dann zu machen, wenn sie eigentlich nicht kommuniziert werden sollte“..
    Das tönt dann doch etwas nach selbstbestimmter Beurteilung/Bestimmung und zeigt, oder gibt sogar die Richtung vor, wo es hingehen soll: nur noch die Meinungen zulassen, die „einem“ genehm sind..
    Es ist ein schmaler Grat, wenn sich die Swisscom mit solchen Meinungen (ja Vorgaben) in Richtung Politik begibt..

    1. Hallo Jonas:) Es ging bei deinem Zitat der Autorin ja nur darum, den Umstand anzusprechen, dass im Netz schnell der Anstand verlorengeht. Nach dem Prinzip: Ich finde dich ein Tubel, also sage ich dir, dass du ein Tubel bist. (Entspricht nicht meiner Meinung, nur als Beispiel) Im echten Leben, würdest du das vielleicht für dich behalten, im Netz schreibst du dann „Tubel!“ Darum geht es in dem Kontext. Du würdest wohl kaum bestreiten, dass das Phänomen real ist oder? Niemand will irgendjemandem verbieten, seine Meinung kundzutun. Nur nochmals: Hatespeech, Rassismus, etc. sind keine Meinungen sondern Straftatbestände, diese Dinge will niemand. Liebe Grüsse, Jonas